Fototechnik 
Praktica B Objektive an DSLR

 

Hervoragende Carl-Zeiss-Jena-Objektive mit Praktica-B-Anschluss lassen sich an Crop- und Vollformat-Kameras mit Canon-EOS-System weiter verwenden, natürlich nur manuell und ggf. mit weiteren Einschränkungen.

 

Hinweis: Bei Anwendung der nachfolgenden Beschreibungen übernehme ich keine Gewähr für mögliche Schäden.

 

Objektive adaptieren

Entscheidend für den Anschluss von anderen Kamerasystemen ist das Auflagemaß. Um ein systemfremdes Objektiv mit einem Adapter ohne verlustbehaftete zusätzliche Optik anschließen zu können, muss das Auflagemaß der Kamera ausreichend geringer sein, als das Auflagemaß des fremden Systems des Objektives. Zwischen den Systemen Praktika-B und Canon-EF ist die Differenz sehr gering (0,4 mm).

Dennoch gibt es Adapter von Praktica-B zu Canon-EF (PB-Adapter). Mit diesen Adaptern passt das ein Prakticar-Objektiv an die Canon-EOS Kamera. Allerdings können die Adapter das zu geringe Auflagemaß eher nicht einhalten. Dadurch kann ein 50-mm-Objektiv nur bis etwa 25 m exakt fokussieren. Scharfe Aufnahmen im unendlichem Bereich sind dann nur unter Ausnutzung der Hyperfokaldistanz möglich. Bei Weitwinkelobjektiven ist das Problem unbedeutend und bei normalbrennweitigen Objektiven gelingt die unendliche Schärfe mit Blende größer 8 meist ganz gut. Teleobjektive mit ihrem geringen Schärfentiefenbereich können besser nur für Foto-Objekte im näheren Bereich verwendet werden.

Trotz dieser Einschränkungen lassen sich Prakticar-Objektive in vielen Situationen sehr gut nutzen. An einer Canon EOS mit Crop-Sensor steht einem Einsatz nichts im Weg. Die Kamera wird am Besten im Av-Modus betrieben und Focus sowie Blende am Objektiv manuell eingestellt. Der in der Kamera angezeigte Blendwert (z.B. 0,0) wird einfach ignoriert. Befindet sich auf dem Adapter ein elektronischer Chip, dann wird die Kamera eine korrekte Fokussierung bestätigen (AF-Bestätigung). Ansonsten kann die Schärfe auch bei Live-View mit der Vergrößerungsfunktion sehr gut beurteilt werden.

Bei einigen Kameras kann es im Zusammenspiel mit einigen AF-Chips Probleme geben. Es kommt zu ungewöhnlichen Fehlermeldungen, bei denen die Kamera Verbindungsfehler ("Err 01") oder fehlgeschlagene Firmwareupdates anzeigt. Bekannt ist mir dies bei der EOS 700D, EOS 1Dx und EOS 5D Mark III und im Zusammenspiel mit "EMF-Chips". In diesen Fällen andere Adapter probieren oder den AF-Chip entfernen und ohne diesen den Adapter verwenden. Die Schärfe kann auch bei Live-View mit der Vergrößerungsfunktion sehr gut beurteilt werden. Bei EOS 60D, EOS 70D und der später erschienenen EOS 80D traten diese Fehler nicht auf. Anderseits gibt es AF-Chips, die nicht diese Probleme machen (z.B. Optix-V5-Chip). Da die Auswahl an PB-Adaptern nicht so groß ist, muss man sich ggf. einen neuen Chip ohne Ring besorgen und den Chip selbst festkleben. Er muss aber sehr gut justiert werden. Dazu liegen den Chips manchmal entsprechende Schablonen bei.


Beim Anschließen rasten, wegen des geringen Auflagemaßes, die Adapter meist nur kameraseitig ein. Wenn sich dann das Objektiv beim Scharfstellen etwas zu leicht im Adapter hin und her dreht, was unangenehm ist, kann die Haltespannung am Adapterring durch Aufweiten der Schlitze erhöht werden. Selten gibt es auch Adapter die beidseitig in Kamera und Objektiv einrasten, aber bei diesen ist das Auflagemaß in der Regel noch etwas größer.

Wegen des geringen Auflagemaßes ragen die Praktikar-Objektive etwas in das Kameragehäuse hinein. Beim Anschließen des Objektivs muss deshalb darauf geachtet werden, dass im Kameragehäuse nichts beschädigt wird. Der Blendbetätigungsstift der Objektive muss mit Vorsicht knapp an den elektrischen Kontakten der Kamera vorbei geführt werden. Für den Spiegelschlag ist bei Crop-Kameras genügend Platz.

 

Vollformat-Kameras

Bei Vollformat-Kameras ist jedoch der Spiegel größer und schwenkt weiter aus. Der Platz reicht nicht, der Spiegel bleibt hängen und die Kamera kann Schaden nehmen.

      

Damit der Spiegel beim Auslösen am Objektiv hinten nicht hängen bleibt, muss am Objektiv der hintere Kunststoffring ein wenig gekürzt und der Stift für die Blende entfernt werden. Möchte man das Objektiv nach dem Umbau wieder an einer alten Praktica-B-Kamera nutzen, geht die Blendautomatik so nicht mehr. Wer seine Objektive als Original erhalten möchte, kann auch den Stift und Ring von einem defekten Objektiv verwenden. Der Stift wie auch der Kunststoffring lassen sich relativ schnell und einfach wieder zurücktauschen. Einiges ist auch an mehreren Objektivtypen Baugleich und zum Ausprobieren mehrerer Objektive reicht es ggf. nur eines zu kürzen und dann jeweils umzuschrauben. Gute Fotos entstehen mit diesen Objektiven sowieso eher mit viel Zeit und Geduld.

Achtung: Bei der Stellung auf Unendlich kann bei Vollformatkameras der Spiegel insbesondere beim 1.4/50 hängenbleiben. Also den Fokuseinstellring lieber immer etwas zurücknehmen und besser nur Objekte im Nahbereich fotografieren.

 

Prakticar-Objektive 1,4/50, 2,8/55 Macro und 1,8/80,
hinten mit Adapter auf Canon-EF,
vorne zum Schutz Filterringe und feste Objektivdeckel
   
Prakticar 2,8/55 Macro im Originalzustand
(Praktica-B-Aschluss)
   

Prakticar 2,8/55 Macro mit aufgesetztem Adapter und eingekürzt für Vollvormat EOS mit EF-Anschluss
   
Vergleich Original und Adaptiert
   

 

 

Prakticar 1,4/50 an Canon EOS
Prakticar 1,8/80 an Canon EOS
Prakticar 2,8/55 Macro an Canon EOS

 

 

Beispielbild mit Prakticar 2,9/55 Macro

 

Hohe Schärfe und sanfter Übergang in den Unschärfebereich.

 

Beispielbild mit Prakticar 1.8/80

 

 

Eine “Nahaufnahme” einer Modelllok ist mit einem Portait-Objektiv eher ungewöhnlch, aber sie zeigt besonders das ansprechende Bokeh eines Objektives mit nur mit nur 6 Lamellen und beweist, dass die Lamellenzahl für eine sahnige Zerstreuung oft nur untergeordnet eine Rolle spielt.

 

Beispielbild mit Prakticar 1.4/50

 

 

Eine Blende 1.8 lässt hier den Hintergrund schon zu sehr verschmelzen, zeigt aber das Freistellungsvermögen.

 

Beispielbild mit Prakticar 1.4/50

 

 

Mit Blende 2.8 wird es schon harmonischer. Die Spitzlichter am Tender im Unschärfebereich zeigen deutlich die Lamellenform, die aber zum Motiv passen und die Wirkung des Bokehs kaum beeinträchtigen. Entscheidender sind hier wohl die gleichmäßigen Zerstreuungskreise bzw. hier plane sechseckige Zerstreuungsflächen.

 

 

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