Fototechnik 
Manuelle Objektive an DSLR

 

Objektive, von alten analogen Spiegelreflexkameras sind oft weiterhin mit Digitaltechnik nutzbar und das mit erstaunlichen Ergebnissen.

 

Canon EOS mit Tessar und Exakta-Adapter Canon EOS mit Tessar und M42-Adapter Canon EOS mit Meyer-Optik 1.8/ 50 und M42-Adapter

 

Wer sich näher mit der Fotografie beschäftigt und auf die Bildgestaltung selbst Einfluss nehmen möchte, kommt an Spiegelreflexkameras und guten Objektiven kaum vorbei. Dabei muss man feststellen, dass ein gutes Objektive sogar mehr als das Gehäuse (Body) einer digitalen Spiegelreflexkamera kosten kann. Viele Hobbyfotografen haben aber noch ihre gute alte analoge SLR-Kameraausrüstung und besitzen oft richtige Schätze. Die Abbildungsleisung ist bei vielen dieser alten Objektive überraschend gut und einige können sogar die Abbildungsleistung ihrer heutige aktuellen Pädanten in einigen Aspekten übertreffen. Eine weitere Verwendung älterer Objektive, soweit sie technisch noch in Ordnung sind, macht durchaus Sinn. Besonders, wenn man ihre Vor- und Nachteile kennt und ihre Eigenschaften geschickt in die Bildgestaltung einsetzt.

Voraussetzungen und Tipps für die Nutzung älterer Objektive:


1. Adapter

Einen passender Adapter (z.B M42 auf Canon EOS) ist erforderlich. Wenn das Auflagemaß der Kamera geringer ist, als vom Objektiv, hat das den Vorteil, dass ein Adapter ohne qualitätsmindernde Korrekturlinse verwendet werden kann. Das Pentacon 1,8/50 mit M42-Gewindeanschluss hat ein Auflagemaß von 45,5 mm. An einer Canon EOS mit 44,0 mm Auflagemaß bleiben für den Adapter 1,5 mm. Das ist also kein Problem. Zwischen Prakticar-B-Objekiven und Canon EOS bleiben nur 0,4 mm. Da dieses Maß schwierig einzuhalten ist oder Toleranzen nicht mehr ausgeglichen werden können, kann es bei der Scharfstellung im Unendlichkeitsbereich besonders bei Teleobjektiven manchmal problematisch werden. Oft hilft dann besonders bei genügend Licht im Freien die Ausnutzung der Hyperfokalen Distanz. Adapter mit Chip ermöglichen eine Bestätigung der Kamera bei richtiger Scharfstellung.

Bei einigen Kameras kann es im Zusammenspiel mit einigen AF-Chips Probleme geben. Es kommt zu ungewöhnlichen Fehlermeldungen, bei denen die Kamera Verbindungsfehler ("Err 01") oder fehlgeschlagene Firmwareupdates anzeigt. Bekannt ist mir dies bei der EOS 700D, EOS 1Dx und EOS 5D Mark III und im Zusammenspiel mit "EMF-Chips". In diesen Fällen andere Adapter probieren oder den AF-Chip entfernen und ohne diesen den Adapter verwenden. Die Schärfe kann auch bei Live-View mit der Vergrößerungsfunktion sehr gut beurteilt werden. Bei EOS 60D, EOS 70D und der später erschienenen EOS 80D traten diese Fehler nicht auf. Anderseits gibt es AF-Chips, die nicht diese Probleme machen (z.B. Optix-V5-Chips zum selbst anbringen oder Adapter von XCSOURCE).

Von Vorteil kan es sein, wenn die Adapter programmierbar und somit verschiedene Anpassungen möglich sind. Interessant ist die Möglichkeit, den Fokussierpunkt zu verschieben und exakt abzugleichen. Es lässt sich auch die Anfangsblende einstellen und die Belichtungsmessung funktionirt dadurch korrekt. Allerdings ist die Programmierung der Adapter oft umständlich und eine Blendeinstellung erfordert z.B. 8 Auslösungen. Dann lohnt sich die Programmierung nur, wenn man je Objektiv einen Adapter nutzt. Optix-V5-Chips lassen degegen relativ komfortabel über die Abblendtaste einstellen.

Wenn die Einstellskala an den adaptierten Objektiven verdreht und schlecht ablesbar sind, verwendet man besser Adapter, bei denen das M42-Gewinde als separat einstellbarer Ring ausgeführt ist und richtet das Objektiv damit aus.


2. Manuelle Einstellungen

Man muss auf automatische Funktionen wie Autofokus und Blendeinstellung verzichten und diese Einstellungen selbst händisch am Objektiv vornehmen. Das erfordert etwas mehr Zeit. Die Pentacon-Objektive besitzen eine automatische Springblende. Da diese Funktion im Adapter nicht genutzt werden kann, wird mit Arbeitsblende (Rastblende) gearbeitet. Es muss die Blende zum besseren Scharfstellen geöffnet und kurz vor dem Auslösen auf die gewünschte Position gebracht werden. Auf einer EOS-Kameras müssen die Kreativprogramme P, Av oder M ausgewählt sein. Bei P und Av bestimmt die Kamera selbst die Belichtungszeit automatisch. Bei Adaptern ohne Chip zeigt der Blendwert immer 00 an. Das kann man einfach ignorieren. Mit Chip zeigt die Kamera einen vom Adapter fiktiv vorgegebenen Wert an, der aber nicht selbst der Einstellung am Objektiv folgt.


3. Zustand alter Objektive beurteilen

Die Objektive müssen in einem guten Zustand sein und es gilt folgendes zu überprüfen:

 

•  Der Metergang sollte sich für die Scharfstellung butterweich einstellen lassen und das Fett im Gewinde darf nicht ausgetrocknet sein.
•  Die Lamellen der Irisblende müssen sich leicht schließen lassen und dürfen nicht verölt sein.
•  Die Linsen müssen sauber und dürfen nicht verkratzt sein. Ein kleiner Kratzer ist aber nicht so schlimm.
•  Zwischen den Linsen sollte sich nicht zuviel Staub befinden. Ein wenig schadet nicht und ist auch bei gebrauchten Linsen auch kaum vermeidbar. Vereinzelte Glaseinschlüsse in den Linsen (winzige Luftbläschen) sind bei sehr alten Linsen völlig normal und führen nicht zur Qualitätseinbuße.
•  Die Linsen müssen klar aussehen und frei von Pilzbefall (Fungus) sein. Feine Fäden an den Linsenrändern deuten auf einen beginnenden Pilzbefall hin. Vorerst wirkt sich das kaum qualitätsmindernd aus, aber der Befall lässt sich kaum stoppen. Lag die Fototechnik im feuchten Keller, ist es oft zu spät.
•  Bei Gegenlichtaufnahmen können insbesondere die sehr alten, einfach vergüteten und schlimmer noch die unvergüteten Objektive störendes Streulicht erzeugen. Machmal ist es aber sogar erwünscht und bestimmt die Bildgestaltung.

Adaptierung von M42-Objekiven an einer Canon EOS Kamera:
 

Vorne:

Carl Zeiss Jena Flektogon 2,4/35 mit beiliegenden Adapern beidseitig, rechts vor den Objekiv Filteradapter 49 auf 58, hinter dem Objektiv Adppter M42 auf Canon EOS

Hinten:



Canon EOS 1000D mit Carl Zeiss Jena Tessar 2,8/50
Die Adapter müssen für sehr alte "Alu-Objektive" eine größere Öffnung besitzen, ggf. vorsichtig feilen oder Adapter ohne Innenring verwenden.
 
 

  Pentacon 135/2.8 in verschiedenen Ausführungen

 




von links:
Pentacon Prakticar B 135mm/1:2,8 (Praktica-B-Anschluss),
 Pentacon 135mm/1:2,8 (M42-Anschluss)
 Pentacon 135mm/1:2,8 (Pentaconsix-Anschluss mit Adapter auf M42-Anschluss)

 

 

Links und Mitte mit ausziehbaren Gegenlichtblenden. Rechts aufgeschraubte Gegenlichtblende.

 

 

Verschiedene Anschlüsse:       Links: Praktica-B       Mitte: M42-Anschluss      Rechts: Pentaconsix mit Adapter auf M42

 

 




Links und Mitte: Blenden mit 6 Lamellen und automatischer Springblende.      Rechts: 15 Lamellen kreisrunde aber manuelle Blende.

 

 

 

 

Meyer-Optik 135mm/1:2,8 an Canon EOS 60D

Das Objektiv ist baugleich mit dem Pentacon Prakticar B 2,8/135, dieses hat aber durch Umbau einen M42-Anschluss erhalten.

 

 

 

 

  Carl-Zeiss-Jena Sonnar 3,5/135

 



Mit M42-Adapter an Canon EOS 60D

 

 

 

 

 

  Pentagon 5,6/500

 



Mit original wechelbarem Anschluss von Praktica B auf M42 gewechselt und mit M42-Adapter an Canon EOS 60D.

 

Große kreisrunde Blende mit 19 Lamellen.

 

 

 

 

 

  Jupiter-9  2,0/85

 



Russisches Jupiter- 9 85mm/f2.0
mit 49mm Metallgegenlichtblende aus Belmont, Kalifornien

Das Jupiter-9 ist bei Offenblende ein angenehmer Weichzeichner. Mit Abblenden steigt die Schärfe enorm. Sehr schönes malerisches Bokeh.

 

 

Äpfel im Januar, Aufnahme mit Jupiter-9

 

 

Schlehen im Januar, Aufnahme mit Jupiter-9

 

 

 

 

 

 

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